23.04.2014 – Reutlingen

Chuzpe – Tränen gelacht!
Musikalische Lesung jüdischer Witze und Anekdoten

So wird vom Fürsten Metternich berichtet, daß er den jüdischen Bankier Eskeles wieder einmal um eine größere Staatsanleihe anging und ihm beim Abschied als besonderen Huldbweis eine vertrauliche Mitteilung machte:  “Ich wollte Ihm noch etwas sagen, Eskeles. Man berichtet mir, daß sein Sohn Jakob sich in liederlicher Gesellschaft herumtreibt. Mit Diversanten und allerlei umstürzlerischen Gesindel. Seh Er doch zu, daß das aufhört. Er versteht mich, nicht wahr? Und morgen bringe Er mir also das Geld.”
Der Bankier Eskeles hielt im devoten Rückwärtsschreiten inne: “Das muß ich mir noch einmal überlegen, hochfürstliche Gnaden!”
“Wie? Warum?” Metternich runzelte die Brauen “Was muß er sich überlegen?”
“Ob ich einem Staat, der vor meinem Kobi Angst hat, Geld borgen soll …?“

(Friedrich Torberg: Tante Jolesch oder der Untergang des Abendlands )

Vom jüdischen Humor wird behauptet, er sei eine eigene Gattung, geprägt von Selbstironie und cleveren Clous. Bereits 1922 erschien in Tel Aviv ein „Buch der Witze und Pointen“, das jiddische Witze auf Hebräisch präsentierte, bald folgten weitere Übersetzungen. Zwar haben sich Figur und Stil geändert, der Humor ist jedoch derselbe geblieben. Neben festem Personal wie „der Rabbi und der Priester“, stehen vor allem die wandernden Juden und ihre Eingewöhnungsschwierigkeiten in den neuen Welten, in die sie hineingeraten, im Zentrum der Erzählungen, über die freilich nicht nur Juden, sondern auch gewöhnliche „Gojs“ – also Nicht-Juden – herzlich lachen dürfen.

Ort: Stadtbibliothek Reutlingen
Beginn: wird noch bekannt gegeben
Eintritt: wird noch bekannt gegeben
Veranstalter: www.stadtbibliothek-reutlingen.de